Klimaschutz lebt vom Austausch – Einblicke vom Netzwerktreffen in Neubrandenburg

Mitglieder des Klimaschutznetzwerkes in Mecklenburg-Vorpommern vor einem Neubrandenburger Stadttor

Fachlicher Austausch, neue Impulse und starke Praxisbeispiele

Das Frühjahrestreffen der Klimaschutzmanagenden in Mecklenburg-Vorpommern

Wie bringen Kommunen den Klimaschutz vor Ort wirklich voran? Welche Lösungen funktionieren – und wo hakt es noch? Antworten auf diese Fragen gab es Ende April 2026 beim Klimaschutznetzwerktreffen in Neubrandenburg. Schon beim Ankommen wurde deutlich: Hier treffen sich nicht nur Fachleute – hier kommt ein Netzwerk zusammen, das voneinander lernen will. Klimaschutzmanagerinnen und -manager aus ganz Mecklenburg-Vorpommern nutzten die Gelegenheit, um Erfahrungen zu teilen, Ideen weiterzugeben und sich gegenseitig zu bestärken.

Ein Auftakt mit klarer Botschaft

Drei Menschen sitzen am Tisch. Der Oberbürgermeister von Neubranenburg steht und hält eine Rede. Recht an der Wand ist eine Digitale Tafe mit einer Karte von Neubrandeng zu sehen.

Oberbürgermeister der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg, Nico Klose begrüßt die Teilnehmenden des Klimaschutznetzwerktreffens. © LEKA MV

Oberbürgermeister Nico Klose eröffnete das Treffen – und machte gleich zu Beginn klar, worum es geht: Klimaschutz ist längst keine Zusatzaufgabe mehr, sondern ein zentraler Baustein kommunaler Entwicklung. Am Beispiel konkreter Maßnahmen – wie dem Hitzeschutz – machte er deutlich, wie relevant das Thema Klimaresilienz bereits heute für die Stadt ist.

Gleichzeitig würdigte er ausdrücklich das Engagement der Klimaschutzmanagerinnen und -manager, die diese Herausforderungen mit fachlicher Kompetenz und großem Einsatz vorantreiben. Er ermutigte die Anwesenden, ihre wichtige Rolle selbstbewusst wahrzunehmen: Klimaschutz werde in Zukunft auch in der Bevölkerung weiter an Bedeutung gewinnen und zunehmend als zentrale Aufgabe verstanden werden.

Sein Fazit fiel entsprechend klar und motivierend aus: Die Arbeit der Klimaschutzmanagerinnen und -manager ist nicht nur notwendig, sondern ein wesentlicher Baustein für eine lebenswerte und zukunftsfähige Stadtentwicklung. Eine Botschaft, die im Raum spürbar nachhallte.

Neubrandenburg: Zwischen Strategie und Umsetzung

Wie Klimaschutz konkret in Neubrandenburg aussieht, zeigte der städtische Klimaschutzmanager Dr. Christian Wolff. Die Stadt verfolgt ein klares Ziel: Klimaneutralität bis 2045. Doch wie kommt man dahin? Grundlage bildet das Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2019. Ein spannender Ansatz wird in Neubrandenburg verfolgt: Digitalisierung und Planung in Einklang zu bringen. Aktuell wird ein digitaler Zwilling der Stadt aufgebaut, der zur Visualisierung und Entscheidungsfindung bei Bau- und Infrastrukturprojekten eingesetzt wird. Ergänzend dazu kommt ein 3D-Modell zum Einsatz, das insbesondere im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung die Potenziale der Geothermie anschaulich darstellt.

Im Bereich der Klimaanpassung verfolgt die Stadt einen modularen Ansatz. Zwar existiert bislang kein umfassendes Klimaanpassungskonzept, jedoch wurden bereits wichtige Einzelkonzepte entwickelt – darunter ein Hitzeschutzkonzept sowie ein Konzept zur Entsiegelung, welches durch die KfW finanziell gefördert wurde. Ein zentrales Zukunftsthema ist die kommunale Wärmeplanung. Neubrandenburg setzt hier insbesondere auf Geothermie und das bereits bestehende Fernwärmenetz als tragende Säulen. Für die Umsetzung wird ein Investitionsbedarf von rund 180 Millionen Euro veranschlagt. Gleichzeitig zeigte sich auch die Realität kommunaler Arbeit: Viele Maßnahmen hängen stark von Fördermitteln ab. Anträge sind komplex, Bewilligungen dauern – und nicht alles lässt sich sofort umsetzen. Ein Spannungsfeld, das viele Teilnehmende nur zu gut kennen.

Organisatorisch stützt sich die Klimaschutzarbeit in der Vier-Tore-Stadt derzeit auf zwei Klimaschutzmanager, einen Energiemanager sowie eine weitere Personalstelle. Diese Stärkung der personellen Kapazitäten zeigt, welchen hohen Stellenwert das Thema inzwischen in der Stadtverwaltung einnimmt.

Der Blick über den Tellerrand: Lösungen aus anderen Kommunen

Wie bei jedem Treffen zeigte sich auch diesmal: Der offene, kollegiale Austausch unter Expertinnen und Experten ist von unschätzbarem Wert. Hier werden nicht nur Informationen weitergegeben – hier entstehen neue Ideen, Perspektiven und konkrete Lösungsansätze für die kommunale Praxis.

Crivitz: Beifall für Klimaschutzmanagerin

Beifall gab es unter anderem für die Klimaschutzmanagerin des Amtes Crivitz Monique Eberhardt. Sie konnte kürzlich ihre Amtsverwaltung mit ihrem Klimaschutzkonzept überzeugen. Es wurde beschlossen und legt nun die Klimaschutzmaßnahmen strategisch für das Amt fest.

Parchim: Verbindet Wirtschaft mit

In Parchim wird intensiv an der Verbindung von Klimaschutz und wirtschaftlicher Entwicklung gearbeitet. Ein „grünes Gewerbegebiet“ soll zeigen, dass beides zusammengeht, berichtete Johann Bastrop. Projektierer fragen verstärkt Flächen für Speicherlösungen, Windenergie- und Photovoltaikflächen an. Im Bereich der erneuerbaren Energien wird das Thema Geothermie für die Wärmeversorgung fokussiert. Eine Bewerbung für Fördermittel zur Erstellung eines Stadtraumkonzepts wurde vorbereitet. In diesem Programm besteht die Möglichkeit, Personal zu fördern. Gleichzeitig stellt die Befristung dieser Stellen eine Herausforderung für die langfristige Verstetigung der Arbeit dar.

Rostock und Wismar: Mutmacher

Rostock wiederum steht bereits vor der Fortschreibung der Wärmeplanung – und denkt groß: Ein Erdwärmespeicher soll ab 2028 eine zentrale Rolle spielen. Neben der strategischen Wärmeplanung setzt Rostock auch konkrete Maßnahmen im Stadtgebiet um. Dazu zählen der Bau von Klimaoasen in Plattenbauvierteln sowie die Installation von Trinkwasserbrunnen zur Anpassung an stärkere Hitzebelastungen. Darüber hinaus wird für die Kröpeliner Tor-Vorstadt ein Stadtentwicklungskonzept erarbeitet, das eine Neuordnung der Verkehrsströme sowie Maßnahmen zur Entsiegelung und Begrünung vorsieht, berichtete Andrea Arnim aus Ihrem Arbeitsbereich.

Ebenso spannend ist der Weg, den die beiden Hansestädte Rostock und Wismar eingeschlagen haben: Mit sogenannten „Wärmeräten“ werden Stadtwerke, Unternehmen, Handwerk und Zivilgesellschaft an einen Tisch geholt. Was zunächst auf Skepsis stieß, entwickelt nun Dynamik. Mit diesem Beispiel sorgte Kerry Zander aus Wismar für Inspiration im Netzwerk. Genau solche Erfahrungen machen Mut.

Gadebusch: Fachkräfte im Handwerk sind Gold wert

Frank Seidel aus Gadebusch berichtete, dass im Bereich der energetischen Sanierung kommunaler Liegenschaften noch große Potenziale brach liegen. Gleichzeitig zeigt sich, dass im lokalen Handwerk noch Entwicklungspotenziale bei der fachgerechten Auslegung von Wärmepumpen bestehen. Dies bietet jedoch eine große Chance, gezielt Kompetenzen vor Ort aufzubauen und die Qualität der Umsetzung weiter zu stärken. Über das BAFA‑Bundesförderprogramm „Aufbauprogramm Wärmepumpe“ können Weiterbildungsmaßnahmen für Handwerksbetriebe mit bis zu 90 % gefördert werden.

Ludwigslust: Motivieren und Investieren

Rüdiger Falk aus Ludwigslust setzt stärker auf die Motivation: Eine Baumesse soll Bürgerinnen und Bürger für energetische Sanierungen begeistern und gleichzeitig Fragen zur Finanzierung klären. Ein weiteres zukunftsweisendes Vorhaben ist der Aufbau eines LoRaWAN-Netzes als Pilotprojekt mit Sensorik am Rathaus. LoRaWAN (Long Range Wide Area Network) wird überall genutzt, wo viele verteilte Sensoren zuverlässig und stromsparend Daten aus der Fläche drahtlos via Funk an eine zentrale Stelle melden sollen. Zusätzlich wird gemeinsam mit den Stadtwerken ein Trinkbrunnenkonzept verfolgt.

 

Schwerin: Information und Akzeptanz rund um die Wärmepumpe

Zur Stärkung der Information und Akzeptanz rund um Wärmepumpen ist die Organisation eines Wärmepumpen-Infotages im Gespräch, berichtete Sören Meyer. Ein öffentlich zugängliches Kartentool soll erstellt werden, um die Schweriner Klimaarbeit sichtbar für Bürger*innen und Unternehmen zu machen.

Amt Treptower Tollensewinkel: Digitalisierung von Infrastrukturdaten

Auch Nick Bartels aus dem Amt Treptower Tollensewinkel zeigt, wie vielfältig kommunaler Klimaschutz sein kann:  unter anderem mit Bewerbungen beim „Kunststofffonds“ für Altentreptow und weiteren Förderinitiativen. Trotz des Aufwandes, Daten zu erheben, wird gleichzeitig eine wertvolle Datengrundlagen für zukünftige Maßnahmen im Bereich der Entsorgung geschaffen. Kommunale Gebäude wurden mit digitalen Heizungsthermostaten ausgestattet. Neben den rund 140 bestehenden Windenergieanlagen wird es weiteren Ausbau an Windenergie im Amt . Durch das novellierte Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetz, werden dann Einnahmen in den Gemeinden erzielt und die Bürger*innen daran beteiligt. Mit dem Tool Vialytics erfolgt die systematische Erfassung von Infrastrukturdaten wie Bäumen und Abfallbehältern.

Rehna: PV-Dachanlage auf Denkmal

Für 2026 ist die Installation von Photovoltaikanlagen auf weiteren kommunalen Liegenschaften, darunter Schule und dem denkmalgeschützten Rathaus, geplant. Zudem gibt es zahlreiche Projektansätze im Bereich von Batteriespeichern (BESS), die an unterschiedlichen Standorten geprüft werden. Die kommunale Wärmeplanung (KWP) in Rehna befindet sich nun in der Umsetzungsphase: Über ein Contracting-Modell wird das Wärmenetz wirtschaftlich tragfähig betrieben werden können, berichtete Janine Tebbe.

Ladeinfrastruktur muss alltagstauglich sein. Daher arbeitet die Stadt eng mit lokalen Akteuren, wie Supermärkten zusammen. Neben technischen Maßnahmen werden auch Projekte mit hoher Aufenthalts- und Umweltqualität vorangetrieben. Der Mühlenteich wurde mit einem Informationspfad sowie einer Fischtreppe aufgewertet und verbindet ökologische Aspekte mit Umweltbildung.

Förderlandschaft und politische Entwicklungen im Blick

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens lag auf aktuellen Fördermöglichkeiten und politischen Rahmenbedingungen. Die Teilnehmenden erhielten durch Henry Moß aus dem  Umweltministerium einen Überblick über Programme auf Bundes- und Landesebene – von Maßnahmen des natürlichen Klimaschutzes bis hin zu Förderungen für kommunale Infrastruktur und Wärmeplanung. Deutlich wurde: Förderprogramme bleiben ein zentraler Hebel für die Umsetzung kommunaler Klimaschutzmaßnahmen – gleichzeitig wächst der Bedarf an Beratung, Koordination und strategischer Planung. Ein weiterer wichtiger Impuls für den Bereich kommunales Energiemanagement: Mit Kom.EMS steht im Land ein System zur Verfügung, das Kommunen bei der Datenerfassung, Bilanzierung und Steuerung ihrer Energieverbräuche unterstützt. Dazu wird ein Beratungsangebot in Kürze bei der LEKA MV aufgebaut.

Die nächsten Monate bringen wichtige politische Entwicklungen, etwa rund um das geplante Klimaverträglichkeitsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern, das Wärmeplanungsgesetz und Gebäudemodernisierungsgesetz – verbunden mit der Hoffnung auf einen stabilen Handlungsrahmen für Kommunen und Bürger*innen.

Besuch bei Weber Food Technology: Vom Austausch zur Anschauung

Nach dem offenen Austausch ging es gemeinsam zum Unternehmen Weber Food Technology. Vor Ort erhielten die Klimaschutzmanagerinnen und -manager nicht nur spannende Einblicke in die Produktion eines Weltmarktführers, sondern vor allem in dessen strategisches Energiemanagement durch den Energiemanagementbeauftragten Gordon Ruthenberg. Besonders beeindruckend war der klare Anspruch des Unternehmens, sich perspektivisch klimaneutral aufzustellen. Dass Klimaschutz nicht nur Aufgabe der öffentlichen Hand ist, sondern zum Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland beiträgt, zeigte der Besuch bei Weber Food Technology sehr eindrucksvoll. Das Unternehmen gab praktische Einblicke, wie industrielle Prozesse, Energieeffizienz und Klimaneutralität zusammen gedacht werden können.  Für viele Teilnehmende war das ein Perspektivwechsel – und vielleicht auch ein Anstoß dafür, Kooperationen zwischen Wirtschaft und Kommunen neu zu denken und auch zu leben. Gerade diese Mischung aus strategischen Themen und praktischer Einordnung macht den Austausch bei unseren Klimaschutznetzwerktreffen immer besonders wertvoll.

Fazit: Vernetzung als Schlüssel für erfolgreichen Klimaschutz

Eines hat das Treffen eindrucksvoll gezeigt: Die Ideen sind da. Das Wissen auch. Am Ende des Tages blieb vor allem eines hängen: Klimaschutz ist Teamarbeit. Die besten Ideen entstehen im Austausch. Lösungen lassen sich schneller finden, wenn andere ihre Erfahrungen teilen. Und Herausforderungen wirken weniger groß, wenn man merkt: Andere stehen vor ähnlichen Fragen.

 

Unterstützung für Kommunen: Beratung und Förderung nutzen

Eine Menschengruppe von 26 Teilnehmern steht vor dem Friedländer Tor. Alle wenden sich dem Fotografen zu.

Das bislang größte Klimaschutznetzwertreffen fand in Neubrandenburg statt. © LEKA MV

Für Kommunen und Ämter, die ein Klimaschutzmanagement etablieren möchten, gibt es bereits heute konkrete Unterstützung:

  • Die LEKA MV bietet umfassende Beratung darüber, was ein Klimaschutzmanagement den Kommunen bringt.
  • Erläutert, welche Aufgaben Klimaschutzmanagenden übernehmen.
  • Die LEKA MV bietet durch ein starkes Netzwerk fachlichen Austausch.
  • Über das Förderprogramm der Nationale Klimaschutzinitiative können Kommunen bei der ZUG (Zukunft – Umwelt – Gesellschaft) Fördermittel für Personal für das Klimaschutzmanagement und Projekte beantragen.

Damit stehen wichtige Instrumente zur Verfügung, um Klimaschutz vor Ort strukturiert, strategisch und erfolgreich voranzubringen.

Wenn Sie gern eine Beratung durch die Kommunalberatung der LEKA MV in Anspruch nehmen wollen, schicke Sie uns gern Ihre Anfrage.