Gemeinsam die Energiewende vor Ort gestalten
Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich vor allem in den Städten und Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns. Hier entstehen Wind- und Solarparks, hier werden Wärmenetze geplant und hier zeigt sich, wie erneuerbare Energien, regionale Wertschöpfung und wirtschaftliche Entwicklung erfolgreich zusammenwirken können.
Mit den Kommunalnetzwerken West und Ost schafft die Landesenergie- und Klimaschutzagentur Mecklenburg-Vorpommern (LEKA MV) eine Dialogplattform für den Austausch zwischen Kommunen, Landespolitik und Energiewirtschaft. Die diesjährigen Treffen in Grevesmühlen und Friedland machten deutlich: Die Energiewende wird zunehmend zu einem wichtigen Standort- und Wirtschaftsfaktor für Städte und Gemeinden.
Grevesmühlen: Energiewende als Gemeinschaftsprojekt
Wie eine nachhaltige Entwicklung vor Ort gelingen kann, zeigte das Kommunalnetzwerk West in Grevesmühlen. Uwe Dramm stellte als Vertreter der Stadtwerke Grevesmühlen aktuelle Projekte des Unternehmens vor. Im Mittelpunkt standen Investitionen in erneuerbare Energien, die kommunale Wärmeplanung, Ladeinfrastruktur sowie neue Ansätze des Energy Sharings. Die Beispiele machten deutlich, welche Schlüsselrolle kommunale Stadtwerke bei der Energiewende spielen können. Sie sorgen nicht nur für eine sichere Energieversorgung, sondern schaffen gleichzeitig regionale Wertschöpfung und ermöglichen die direkte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.
Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Bürgergenossenschaft „Zukunftsenergie Grevesmühlen e.G.“. Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 können sich Menschen aus Grevesmühlen und dem Umland direkt an Projekten der erneuerbaren Energien beteiligen. Inzwischen engagieren sich mehr als 130 Mitglieder in der Genossenschaft.
Darüber hinaus setzen die Stadtwerke konsequent auf regionale Wertschöpfung. Gemeinsam mit heimischen Landwirten entstehen nachhaltige Kreisläufe von der Rohstofferzeugung über die Energieproduktion bis zur Nutzung vor Ort. Strom und Wärme aus den Biogasanlagen werden direkt in die regionalen Versorgungsnetze eingespeist.
Akzeptanz entsteht durch Beteiligung
Dass die Energiewende mehr braucht als Technik, zeigte auch die Initiative „Stadt ohne WATT“. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich der Verein für Umweltbildung, Bürgerinformation und nachhaltige Regionalentwicklung. Mit verschiedenen Lernorten macht er erneuerbare Energien erlebbar und vermittelt anschaulich, wie Windenergie-, Photovoltaik- und Biogasanlagen funktionieren.
Für Bürgermeister Lars Prahler ist genau dieser Dialog ein wichtiger Erfolgsfaktor. Die Energiewende sei kein Selbstläufer. Umso wichtiger seien Transparenz, frühzeitige Information und nachvollziehbare Vorteile für die Menschen vor Ort. Dass sich dieser Weg lohnt, zeigt sich bereits heute: Nach Angaben der Stadt entsteht durch erneuerbare Energien inzwischen eine regionale Wertschöpfung von rund einer Million Euro pro Jahr. Gleichzeitig wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und zusätzliche wirtschaftliche Impulse ausgelöst.
Energiewende schafft Wertschöpfung und neue Perspektiven

Ines Jesse, Staatssekretärin für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit, Foto: © LEKA MV – Celien Graubaum
Diese Entwicklung war auch ein zentrales Thema beider Netzwerktreffen. Staatssekretärin Ines Jesse betonte, dass Mecklenburg-Vorpommern den Ausbau erneuerbarer Energien konsequent vorantreibt. Wichtig sei jedoch vor allem eines:
„Die Wertschöpfung aus den Erneuerbaren muss da ankommen, wo die Energie produziert wird.“
Erneuerbare Energien seien längst zu einem wichtigen Standortfaktor geworden. Sie schaffen Arbeitsplätze, eröffnen wirtschaftliche Chancen und stärken die Entwicklung ländlicher Räume. Als Beispiel verwies Jesse auf die Modellregion Tollense, in der Kommunen und Unternehmen gemeinsam an neuen Wertschöpfungsmodellen arbeiten.
Friedland: Wenn die Energiewende im Haushalt ankommt

Frank Nieswandt, Bürgermeister der Stadt Friedland, Foto: © LEKA MV
Wie konkret sich die Energiewende auf die Entwicklung einer Kommune auswirken kann, zeigte das Kommunalnetzwerk Ost in Friedland. Bürgermeister Frank Nieswandt stellte dabei eine zentrale Frage:
„Was hat die Kommune konkret vom Ausbau der erneuerbaren Energien?“
Die Antwort lieferte Friedland mit beeindruckenden Zahlen. Im Jahr 2025 erzielte die Stadt Einnahmen von rund 960.000 Euro aus Windenergie, Photovoltaik und Biogaserzeugung. Diese Einnahmen stärken den kommunalen Haushalt und schaffen zusätzliche Spielräume für Investitionen in Infrastruktur, Vereine und Stadtentwicklung.
Doch nicht nur die Kommune profitiert. Unternehmen wie ENERTRAG unterstützen Vereine vor Ort und beteiligen sich am gesellschaftlichen Leben der Region. Darüber hinaus sorgen Beteiligungsvereinbarungen mit Windparkbetreibern für weitere Einnahmen. Auch die Zusammenarbeit mit EnviTec zeigt, wie regionale Wertschöpfung entstehen kann: Die Abwärme der Biogasanlage wird seit Jahren für das kommunale Fernwärmenetz genutzt. Zusätzlich erfolgt inzwischen die Einspeisung aufbereiteten Gases in das Versorgungsnetz. So entsteht eine Wertschöpfungskette, die Landwirtschaft, Energieversorgung und kommunale Infrastruktur miteinander verbindet.
Mehr Beteiligung für Kommunen
Ein weiterer Schwerpunkt beider Kommunalnetzwerke war die Weiterentwicklung des Bürger- und Gemeindenbeteiligungsgesetzes. Fabio Linus Fabricius vom Wirtschaftsministerium MV stellte das Gesetz und die jüngsten Änderungen vor. Mit der Novellierung wurden die Beteiligungsmöglichkeiten erweitert und erstmals auch Freiflächen-Photovoltaikanlagen einbezogen. Bereits heute profitieren rund 200 Gemeinden von den entsprechenden Regelungen. Die Zahlungsverpflichtungen der Vorhabenträger an die Kommunen in MV belaufen sich bereits jetzt auf rund 12,5 Millionen Euro jährlich.
Unterstützung für Städte und Gemeinden
Jonathan Metz stellte in seiner Funktion als Leiter der Kommunalberatung die aktuellen Beratungs- und Unterstützungsangebote der LEKA MV vor. Dazu zählen unter anderem die Begleitung kommunaler Flächenausweisungen, Angebote zur finanziellen sowie das kommunale Energiemanagement Kom.EMS.
Darüber hinaus ist die LEKA MV seit kurzem Verbundpartner im Projekt BEEKOMM – Beschleunigung des Ausbaus von erneuerbaren Energien in Kommunen. Ziel ist es, Städte und Gemeinden beim Ausbau von Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik zu unterstützen und gleichzeitig Bürgerbeteiligung und Akzeptanz vor Ort zu stärken.
- Die Teilnehmenden verfolgen einen Vortrag zu erneuerbaren Energien und kommunaler Wertschöpfung. Foto: © LEKA MV – Celien Graubaum
- Referent Jonathan Metz erläutert die gemeindeliche Ausweisung von Flächen. Foto: © LEKA MV – Celien Graubaum
- Begrüßung der Kommunalvertrter*innen beim Kommunalnetzwerke West in Grevesmühlen durch Carla Fee Weiße. Foto: © LEKA MV – Celien Graubaum
Gemeinsame Herausforderungen
Trotz vieler erfolgreicher Beispiele wurde auf beiden Veranstaltungen deutlich, dass die Kommunen weiterhin vor großen Herausforderungen stehen. Netzkapazitäten, lange Anschlusszeiten, Genehmigungsverfahren, kommunale Wärmeplanung und Bürgerbeteiligung beschäftigen Städte und Gemeinden in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Die Diskussion zeigte zugleich, dass weiterhin zahlreiche praktische Fragen bestehen – etwa zu Beteiligungsverfahren, steuerlichen Auswirkungen oder neuen Entwicklungen wie Agri-Photovoltaik und Moor-Photovoltaik.
Gleichzeitig herrschte Einigkeit darüber, dass die Potenziale der Energiewende längst über die reine Stromerzeugung hinausgehen. Immer stärker rücken Fragen der regionalen Wertschöpfung, neuer Gewerbeansiedlungen und der Nutzung von Grünstrom als Standortvorteil in den Mittelpunkt.
Vernetzung als Schlüssel zum Erfolg
Die Kommunalnetzwerke West und Ost haben erneut gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Kommunen, Unternehmen, Landespolitik und Energiewirtschaft ist. Die Beispiele aus Grevesmühlen und Friedland machen deutlich, dass die Energiewende dort besonders erfolgreich ist, wo Menschen gemeinsam an Lösungen arbeiten und die Vorteile vor Ort sichtbar werden.
Genau hier setzen die Kommunalnetzwerke der LEKA MV an: Sie bringen Akteure zusammen, machen erfolgreiche Praxisbeispiele sichtbar und liefern Kommunen konkrete Impulse für die Umsetzung der Energiewende. Denn die besten Ideen entstehen oft dort, wo Erfahrungen geteilt und Herausforderungen gemeinsam angegangen werden.
- Vertretende aus Kommunen, Institutionen und Unternehmen tauschen sich zu Klima- und Energiethemen aus. Foto: © LEKA MV – Celien Graubaum
- Teilnehmender stellt eine Frage während einer Diskussionsrunde auf einer Veranstaltung des Kommunalnetzwerks der LEKA MV, Foto: © LEKA MV
- Die Teilnehmenden eines Netzwerktreffens des Kommunalnetzwerks Ost der LEKA MV versammelten sich für ein gemeinsames Gruppenfoto in Friedland, Foto: © LEKA MV
Gute Beispiele brauchen eine Bühne
Überall in Mecklenburg-Vorpommern entstehen Lösungen für die kommunale Energiewende. Als Gastgeberkommune bieten Sie anderen Städten und Gemeinden die Möglichkeit, von Ihren Erfahrungen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und neue Impulse mitzunehmen.
Sie möchten Ihre Projekte vorstellen und den kommunalen Austausch stärken? Dann werden Sie Gastgeber eines Kommunalnetzwerks der LEKA MV. kommunen@leka-mv.de





