Energiekosten in Kommunen sparen: Photovoltaik auf öffentliche Dächer

Ganz Deutschland will Energiekosten sparen, das betrifft auch die Kommunen. Wer schon frühzeitig Photovoltaik (PV) auf öffentlichen Dächern installiert hat, ist jetzt im Vorteil. Das Amtsgebäude Ludwigslust-Land, das Dorfgemeinschaftshaus in Poppendorf, die Turnhalle in Bad Kleinen oder die Feuerwehrwache auf der Insel Poel – sie alle haben Solaranlagen. Dennoch: Eine neue Analyse des Marktstammdatenregisters durch den Norddeutschen Rundfunk hat ergeben, dass 80 % der Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern keine PV-Anlagen auf ihren Dächern haben.

Warum sind auf den kommunalen Dächern so wenige Photovoltaikanlagen?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Es gibt Gemeinden, die sich aus personellen Gründen oder aus fehlendem Interesse sich noch gar nicht mit dem Thema Photovoltaik beschäftigt haben. Grund dafür ist auch, dass der Strom lange Zeit relativ günstig war. In anderen Gemeinden besteht zwar Interesse an dem Ausbau der Photovoltaik, aber die Statik der Dächer, der Brandschutz, die finanzielle Situation der Gemeinde, der Denkmalschutz oder die fehlenden Mehrheiten in den kommunalen Gremien sorgen für brach liegende Dachflächen. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dies zeigen die folgenden Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern.

Politische Mehrheiten im Gremium gewinnen

Im Amt Ludwigslust-Land schlug der Leitende Verwaltungsbeamten Wolfgang Utecht bereits 2014 vor, in eine PV-Anlagen zu investieren. Doch dieser Vorschlag wurde beim ersten Versuch im Amtsausschuss abgelehnt. Wolfgang Utecht ließ sich davon nicht unterkriegen und analysierte selbstständig die Stromverbräuche, um zu zeigen, was sie sparen können und brachte den Vorschlag erneut ein – mit Erfolg. Seit der Installation der PV-Dachanlage im Jahr 2015 profitiert das Amt von seiner weitestgehend autarken Stromversorgung, denn die Stromkosten sind um ein Vielfaches niedriger als der externe Strombezug.

Mit der Denkmalschutzbehörde kooperieren

Alte Wache in Ferdinandshof mit Solar-Schindeln im Landkreis Vorpommern-Greifswald

Die Denkmalpflege steht häufig im Spannungsfeld mit Klimaschutzmaßnahmen, wie der Installation von PV-Anlagen. Gerade hier in Mecklenburg-Vorpommern, wo viele denkmalgeschützte Gebäude stehen oder Städte wie Wismar zum Weltkulturerbe gehören, kann der Denkmalschutz konkreten Vorhaben der Kommune im Wege stehen. Dass es möglich ist, sich mit der zuständigen Denkmalschutz-Behörde auf eine historisch adäquate PV-Dachanlage zu einigen, zeigt das Beispiel „Alte Wache“ in Ferdinandshof. Bei der Sanierung dieses denkmalgeschützten Gebäudes wurden in die Dachhaut kaum sichtbare PV-Schindeln integriert.

Örtliche Feuerwehr schulen

„Wenn ein Gebäude mit einer PV-Anlage brennt, kann man dieses nur kontrolliert abbrennen lassen“, diese Aussage ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dem Kommunen gemeinsam mit ihrer örtlichen Feuerwehr entgegen treten können. Bei der Planung, Errichtung und Installation der PV-Anlage kann die Kommune beispielsweise darauf achten, dass an einem leicht einsehbaren Ort, z.B. im Eingangsbereich, ein Hinweisschild auf die Solaranlage angebracht ist. Der Leitfaden „Brandschutzgerechte Planung, Errichtung und Instandhaltung von PV-Anlagen“ enthält viele weitere solcher Tipps. Die örtlichen Feuerwehren sollten dementsprechend geschult werden, ein Gespräch mit dem Wehrführer kann hier helfen. Die Feuerwehrwachen in Klein Trebbow (bei Schwerin) oder in Hohen Viecheln kennen sich aus, denn sie haben selbst Solaranlagen auf ihren Gebäuden.

Förderungen nutzen und den Mut haben, mittelfriste Investitionen zu tätigen

Auch finanzschwache Kommunen können selbst investieren, weil Einnahmen aus PV-Anlagen zu Wiedererlangung der gesicherten dauernden Leistungsfähigkeit beitragen können. Sprechen Sie hierzu am besten mit Ihrer Rechts- und Kommunalaufsicht. Wenn die Kommune nicht selbst investieren möchte, kann sie die Dachfläche auch verpachten. Ist die Gemeinde eine Kirchgemeinde, so können hier gegebenenfalls zusätzliche Fördermittel eingeworben werden. Die 124-Jahre alte Pfarrscheune in Lichtenhagen-Dorf (bei Rostock) erhielt 2019 eine Solaranlage, die mit Mitteln aus dem dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung gefördert wurde. Die aktuellen Landesfördermittel finden Sie auf der Website des Landesförderinstitutes Mecklenburg-Vorpommern.

Best-Practice-Beispiele aus Mecklenburg-Vorpommern

Welche Dächer kommen in Frage?

Eine neue Analyse des Marktstammdatenregisters durch den Norddeutschen Rundfunk hat ergeben, dass 80 % der Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern keine PV-Anlagen auf ihren Dächern haben. Geeignete Flächen zur Nutzung von Solarenergie sind jedoch in vielen Kommunen vorhanden

Quelle: Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA), Mit Sonne auf Zukunftskurs: Photovoltaik für Kommunen, S. 4.

Wo können sich Kommunen informieren?

Zunächst ein Mal können Sie sich als Bürgermeister/in und Gemeindevertreter/in einen Überblick über die in ihrer Gemeinde existierenden Solaranlagen verschaffen. Dafür können Sie das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur kostenfrei nutzen. Wählen Sie dafür die folgenden Filtereinstellungen: „Gemeinde“ „entspricht“ „Name ihrer Gemeinde“ und „Energieträger“ „entspricht“ „Solarenergie“. 

Unsere LEKA-Schulungsreihe „PV-Anlagen auf kommunalen Dächern“ kann Ihnen eine Orientierung bieten. In vier Modulen behandeln wir die Möglichkeiten (Modul 1), die Wirtschaftlichkeit und Finanzierung (Modul 2), die Planung, Errichtung und den Betrieb (Modul 3) sowie die Beteiligung und Öffentlichkeitsarbeit (Modul 4). Das umfassende Kompendium dieser Schulungsreihe können Sie sich hier herunterladen.

Informieren Sie sich bei der Fördermittelberatung vom Landeszentrum für Erneuerbare Energien und nutzen Sie die Förderdatenbank für Kommunen.

 


 

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