Bürgerenergiegenossenschaften, PV-Dachanlagen auf städtischen Liegenschaften und Moorschutzagentur MV – Treffen des Klimaschutznetzwerkes MV in Bad Doberan

Bürgerenergiegenossenschaften, PV-Dachanlagen auf städtischen Liegenschaften und Moorschutzagentur MV – Treffen der Klimaschutzmanager*innen MV in Bad Doberan

Klimaschutz spielte in Bad Doberan lange Zeit keine Rolle. Um das zu ändern, gründeten engagierte Bürger/innen 2021 das Klimanetz Bad Doberan. Eine der ersten Aktionen: Die Beantragung einer Klimaschutzmanagerin gemeinsam mit der Stadt Bad Doberan. Seit September 2022 ist Tina Michel nun in dieser Funktion tätig und diese Entscheidung war für die Gemeinde an der Ostseeküste goldrichtig. So eröffnete der Bürgermeister von Bad Doberan, Jochen Arenz, unser Treffen des Klimaschutznetzwerkes Mecklenburg-Vorpommern am 11. Juni 2024 im Rathaus von Bad Doberan mit den Worten „Unsere Klimaschutzmanagerin ist das Beste, was unserer Stadt passieren konnte“. Seit fast fünf Jahren führen wir jährlich zwei bis drei Präsenz- oder Online-Netzwerke für Klimaschutzmanager*innen bei uns im Land durch. Inzwischen sind auch die ersten Klimaanpassungsmanagerinnen dabei. Eine Liste mit Kontaktdaten finden Sie hier.

Bürgerenergiegenossenschaft Bad Doberan

Zu Beginn unseres Austausches stellte unsere Gastgebergemeinde Bad Doberan ihr neuestes Vorzeigeprojekt vor. Denn aus dem Klimanetz Bad Doberan entstand noch mehr: Die Mitglieder wollten sich stärker an der lokalen Energiewende und am Klimaschutz beteiligen. „Es muss doch möglich sein, selbst Hand anzulegen, etwas lokal Verwurzeltes zu schaffen“, beschrieb Wolfgang Conrad in seinem Vortrag die Anfänge der Bürgerenergiegenossenschaft. „Es geht bei Klimaschutz und Energiewende nicht um den Verzicht, sondern um ein attraktives Leben“. Mit viel ehrenamtlicher Arbeit konnten die engagierten Bürgerinnen und Bürger nach fast einem Jahr Vorbereitungszeit am 23. August 2024 offiziell die Bürgerenergiegenossenschaft „Energie für Menschen in Mecklenburg“ (kurz: EMM eG) gründen. Ihre Ziele: Eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand und stabile Energiepreise.

Damit die Energieversorgung wirklich in Bürgerhand bleibt, haben sich die Gründerinnen und Gründer der EMM eG für einen niedrigen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 250 € entschieden. „Die Höhe der Mitgliedsbeiträge war ein großer Diskussionspunkt. Uns wurde ein Mitgliedsbeitrag von 5.000 € empfohlen, um den Verwaltungsaufwand bei der Bearbeitung der Anträge gering zu halten“, erinnert sich Wolfgang Conrad. Im Durchschnitt werden pro Aufnahmeantrag vier Anteile im Gesamtwert von 1.000 € gezeichnet. Seit Ende Januar 2024 bis Mitte Juni 2024 haben bereits 108 Bürgerinnen und Bürger insgesamt 440 Anteile gezeichnet. Damit stehen der Energiegenossenschaft 110.000 € abzüglich der Fixkosten (z.B. 2.000 € pro Jahr für den Prüfverband) zur Verfügung. Die Renditeerwartung liegt bei drei bis vier Prozent. „Das zeigt uns, dass die Bürgerinnen und Bürger bereit sind, Geld für eine gute Sache vor Ort zu investieren“, resümiert Wolfgang Conrad.

Jetzt will die EEM beweisen, dass sie ihre Ziele auch erreicht und ihren Beitrag zum Klimaschutz leistet.

Genossenschaften

In einer Genossenschaft hat jedes Mitglied eine Stimme, unabhängig davon, wie viele Geschäftsanteile es besitzt. Auf der Grundlage des Genossenschaftsgesetzes (GenG) gibt sich die Genossenschaft eine Satzung. Die Tätigkeit der Genossenschaft wird durch einen Prüfverband für Genossenschaften streng überwacht. Es gibt keine Nachschussplicht, d.h. wenn die Genossenschaft finanziell nicht mehr handlungsfähig ist, müssen die Mitglieder nicht „nachzahlen“.

Das Pachtmodell für PV-Anlagen auf den Dächern in Bad Doberan

Um ihre Ziele zu erreichen hat die EEM gemeinsam mit der Verwaltung der Stadt Bad Doberan ein cleveres Geschäftsmodell entwickelt. Die von der Klimaschutzmanagerin Tina Michel initiierte und begleitete statische Prüfung der kommunalen Liegenschaften ergab, dass sieben kommunale Liegenschaften, darunter die Kampschule und die Lessingschule, für PV-Dachanlagen geeignet sind. Die Kosten für die Erstellung des Gutachtens beliefen sich auf insgesamt ca. 12.000 €.

Mit der Unterstützung des Städte- und Gemeindetages MV wurde ein Rückpachtmodell entwickelt. Der große Vorteil gegenüber normalen Stromlieferverträgen liegt darin, dass bei Pachtmodellen eine Vertragslaufzeit von 25 Jahren statt maximal vier Jahren (zwei Jahre mit Verlängerungsoption, gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch) vereinbart werden kann. Das bedeutet, dass der Strompreis für die Stadt für die auf den eigenen Dächern erzeugten Strommengen 25 Jahre fest vereinbart ist.

Wie dieses Pachtmodell genau funktioniert, erklärte anschließend Tina Michel, Klimaschutzmanagerin in Bad Doberan, den aufmerksam zuhörenden Klimaschutzmanager*innen in ihrem Vortrag. „Wir haben uns bewusst gegen den Eigenbau der PV-Anlagen entschieden, um zeitlich schneller voranzukommen, den Haushalt nicht zu belasten und den Personalaufwand gering zu halten“, erläuterte sie das Vorgehen. Fünf der Dächer verpachtet die Stadt an eine städtischen GmbH, zwei an die EEM eG. Die Pächter errichten die Anlagen mit insgesamt 300 kWp und übernehmen auch die Wartung und Instandhaltung. Durch das Pachtmodell wird die Stadt zur Anlagenbetreiberin. Dass die Stadt selbst Anlagenbetreiberin ist, war wichtig, da die Stadt ab Januar 2025 voraussichtlich einen Strombilanzkreis einführt. Damit können weitere städtische Gebäude, bei denen PV-Anlagen wegen mangelnder Statik oder Denkmalschutzauflagen nicht möglich sind, durch die geplanten PV-Anlagen mit Strom versorgt werden, der eingespeiste und der entnommene Strom werden miteinander verrechnet.

MoorAgentur MV neu gegründet

Ein weiterer Höhepunkt unseres Klimaschutznetzwerktreffens war die Vorstellung der MoorAgentur MV. Mecklenburg-Vorpommern ist relativ moorreich: Rund 290.000 Hektar (entspricht einem Flächenanteil von ca. 13 %) sind Moore. Der größte Teil dieser Moore sind heute Grünflächen (140.000 Hektar) und landwirtschaftliche Flächen (20.000 Hektar). Lediglich 31.000 Hektar sind wiedervernässt. Kathrin Brozio von der im Januar 2024 gegründeten MoorAgentur MV erläuterte die Bedeutung nasser Moore für den Klimaschutz: „Trockengelegte Moore verursachen mit einem Anteil von 8,4 Prozent die meisten Treibhausgasemissionen. MV will bis 2040 klimaneutral werden. Mit der Wiedervernässung von Mooren können wir einen großen Beitrag leisten. Weitere Vorteile der Wiedervernässung von Mooren sind der Stopp des Bodenverlustes, der Wasserrückhalt und die regionale Kühlung“.

Die MoorAgentur MV ist bei der Landgesellschaft M-V angesiedelt. „Dadurch können wir gut mit den anderen Abteilungen der Landgesellschaft zusammenarbeiten. Hier gibt es viele Kontakte zu den Landwirten, da die Landgesellschaft die Flächen des Landes verwaltet und verpachtet“, hebt Kathrin Brozio die Synergien hervor. Mit der MoorAgentur MV kann sich die Landgesellschaft M-V noch besser auf die Koordination nach innen und außen konzentrieren. Die drei Säulen ihrer Arbeit sind

  1. Akzeptanzförderung durch Erstberatung, Netzwerke und Öffentlichkeitsarbeit
  2. Projektinitiierung durch die Begleitung bei Finanzierung, Planung, Genehmigung, Umsetzung und Monitoring und die
  3. Nasse Nutzung durch den Wissenstransfer, Aufbau von Verwertungsketten und Vermarktungsstrukturen

Das Angebot der MoorAgentur MV richtet sich insbesondere an Landnutzer/innen, Flächeneigentümer/innen (Kommunen, Kirchen, Bund, Land, Stiftungen, Universitäten, Hochschulen), private Flächeneigentümer/innen, aber auch an Wasser- und Bodenverbände, Behörden, das Greifswald Moor Centrum, Stiftungen, Initiativen sowie Moor- und Klimaschutzmanager*innen der Kommunen.

Klimalehrpfad Bad Doberan

Ein weiteres Highlight gab es für alle Teilnehmenden in der Mittagspause: Gemeinsam durften wir den Klimalehrpfad erkunden, den Schülerinnen und -schüler der Christlichen Münsterschule Bad Doberan in Zusammenarbeit mit Expert*innen und der Stadtverwaltung angelegt haben. Die Christliche Münsterschule Bad Doberan war übrigens Landessieger beim Energiesparmeister-Schulwettbewerb 2022 und holte für ihre nachhaltigen Ideen sogar den Bundessieg nach MV. Klimaschutz wird so auf spielerische Weise Groß und Klein beigebracht. 

Den Abschluss unseres Netzwerktreffens bildete der praktische Erfahrungsaustausch aller Klimaschutzmanager*innen und Anpassungsmanager*innen. Besonders interessant war dieser Austausch für den neu eingestellten Klimaschutzmanager André Stanimirov aus dem Amt Crivitz und für unsere Gasthörer. Stefan Pinnow, Bürgermeister der Stadt Ludwigslust, berichtete, dass er  ebenfalls eine Klimaschutzmanagementstelle für seine Verwaltung ausgeschrieben hat. Wir sind freuen uns darauf, dass unser Netzwerk auch in Zukunft weiter wachsen wird und der Klimaschutz in MV gestärkt wird!

Fazit

Das Klimaschutznetzwerk Mecklenburg-Vorpommern traf sich in Bad Doberan, wo lokale Klimaschutzprojekte vorgestellt wurden. Die Bürgerenergiegenossenschaft „Energie für Menschen in Mecklenburg“ wurde gegründet, um eine dezentrale Energieversorgung in Bürgerhand zu fördern. Ein innovatives Pachtmodell ermöglicht PV-Dachanlagen auf städtischen Gebäuden, wodurch langfristig stabile Strompreise gesichert werden. Zudem wurde die MoorAgentur MV gegründet, um durch die Wiedervernässung von Mooren einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Abschließend bot der Klimalehrpfad Bad Doberan praxisnahe Umweltbildung für alle Teilnehmer*innen. Der Erfahrungsaustausch unter den Klimaschutzmanagerinnen und -managern zeigte die wachsende Bedeutung des Klimaschutzes in der Region.

Haben Sie Interesse an einer zusätzlichen Personalstelle für Klimaschutz?

Wir unterstützen mit unserem Wissen und unseren Angeboten regelmäßig Kommunen bei der Antragsstellung und der Suche nach passenden Kandidaten. So haben wir auch das Amt Crivitz und die Stadt Ludwigslust unterstützt, einen Förderantrag zu stellen und fachkundiges Personal zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen zu finden.

Unsere Unterstützung umfasst:

  • Einen Einstiegsvortrag für kommunales Klimaschutzmanagement
  • Zugang zu unserem Netzwerk der Klimaschutzmanager*innen
  • Zwei kostenlose Schulungsaufzeichnungen für die Antragstellung
  • Musteranträge
  • Vorlagen für Stellenausschreibungen
  • Tipps für Stellenportale

Stellen Sie per Mail Ihre Anfrage an das Team der Kommunalberatung.

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